50 plus mit Behinderung - Erfahrungen

50plus – oder die Erfahrungen einer Frau, die auf die 60 zugeht

Ein Jahr vergeht schnell. Vieles hatte Karin L. (Name geändert) erlebt, Hochs und Tiefs, wie das Leben eben so spielt. Karin L. nutzt seit kurzer Zeit einen Rollstuhl und sie ist in eine Rehabilitationseinrichtung vor den Toren Berlins gegangen, um sich an ihre neue Situation und vor allem an die Funktionen und die Möglichkeiten dieses Hilfsmittels zu gewöhnen.

Dort traf sie auf viele Frauen in ihrem Alter, viele übergewichtig, von schwierigen Lebenserfahrungen mitgenommen. Nach und nach erfuhr sie so manche Krankengeschichte, nicht immer hörte sie diese freiwillig, sie konnte sich einfach noch nicht so richtig davor schützen. Und überhaupt, sie fühlte sich eigentlich nicht dazugehörig. Sie hatte doch bisher alles in ihrem Leben bewältigt: Kinder, Beruf und Haushalt ohne Probleme gemanagt.

Dann kam der Unfall und hatte plötzlich alles verändert. Jetzt, nach den furchtbaren Wochen im Krankenhaus, die sie wahrscheinlich nie vergessen wird, saß sie in einem kleinen Zimmer in der Rehaklinik. Sie hatte gedacht, dass sie hier mehr Abstand bekommen würde. Aber im Gegenteil, die anderen Patientinnen waren in einer ganz ähnlichen Situation und redeten natürlich vom Kranksein, von Operationen und davon, wie viele Medikamente genommen werden müssen. Und, ob der Chefarzt sie gesehen hatte - als ob Letzteres ihren Zustand verändern würde.

Karin L. bat um ein Gespräch mit einer Sozialarbeiterin der Einrichtung, um ein wenig Ordnung in ihre Gedanken zu bringen. Danach sah sie, wie unterschiedlich die Lebenswege der sie umgebenden Menschen hier waren. Bei vielen sind es chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes. Andere hatten an den Spätfolgen der Kinderlähmung zu leiden, viele waren erst im höheren Alter auf Hilfsmittel angewiesen. Allerdings hatte Karin L. noch immer große Hemmungen, sich selbst in den Rollstuhl zu setzen, obwohl ihre Schmerzen, die sie beim Laufen hat, dann geringer sind und sie viel mobiler ist.

Die Sozialarbeiterin schlug ihr vor, doch mal im Internet zu schauen, welche Hilfen sie in Berlin erhalten könne und was es so alles zum Thema ‚Behinderung’ und selbstbestimmt leben gibt. Denn Letzteres wollte Karin L. nach ihrer Heimkehr so schnell wie möglich wieder erreichen: Sie wollte weiterhin selbstbestimmt leben.

Ihre Recherche führte sie zu vielen Schlagworten: Selbstbestimmt Leben, persönliche Assistenz und Persönliches Budget. Sie fand sogar das Angebot eines alternden Schlagersängers, der eine Tagesstätte für jugendliche Rentner gegründet hatte. Sie musste schmunzeln, aber sie wusste, dahinter steckte etwas Ernstes, denn ältere Menschen vereinsamen noch immer häufig durch Krankheit und Behinderung und sie brauchen letztendlich eine Anlaufstelle oder eine Einrichtung, wo sie sich treffen, sich austauschen sowie Unterstützung und Beratung erhalten können.

Karin L. wollte auch im höheren Alter in allen Lebensbereichen selbstbestimmt leben und sie wollte informiert sein. Ihre abendliche Lektüre führte sie auch auf die Homepage des Berliner Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen, BZSL e.V.

Mit Interesse sah sie, dass es auch ein Projekt für ihre Altersgruppe gab: das Projekt „50 plus mit Behinderung“. Hier können sich Menschen informieren, Rat und Unterstützung bekommen, die sich erst im reiferen Lebensalter mit Behinderung und Hilfebedarf auseinandersetzen müssen. Und auch für Partner und Angehörige ist das Projekt offen.

Wieder zurück in Berlin vereinbarte sie dort einen Termin und nach kurzer Wartezeit saß sie einer Beraterin in ihrem Alter im angeregten Gespräch gegenüber. Von ihr erfuhr sie, dass es auch andere Frauen in ihrem Alter mit aufgetretenen Behinderungen bzw. mit chronischen Erkrankungen die Beratung in Anspruch nehmen. Allen gemeinsam wäre, dass sie zunehmend Beeinträchtigungen im Alltag haben und darum nach geeigneten Hilfen suchen. Ihnen würden unterschiedliche Angebote vorgestellt, zugeschnitten auf die jeweilige Beeinträchtigung. Und einige Frauen würden sich regelmäßig zu einem Gesprächskreis zusammenfinden, wo sie über Alltagsprobleme sprechen können oder auch über Ärger mit den Behörden. Daran teilzunehmen erschien Marie allerdings noch zu früh.

Spontan entschied sie sich an einer Entspannungsgruppe teilzunehmen, die unter dem Motto „Yoga mal anders“ lief. Hier gab eine körperbehinderte Frau Yoga-Unterricht und vermittelte ihr Wissen an andere behinderte Frauen. Auch das Angebot des ‚Berliner Verein für Assistenzhunde gefiel ihr gut und sie begann, über diese Möglichkeit nachzudenken. Über das persönliche Budget könnte sie sich finanzielle Unterstützung im Rahmen der persönlichen Assistenz erwerben. Auch diese Idee nimmt sie mit Erleichterung bezüglich ihres Hilfebedarfs mit auf, denn jetzt hat sie zwar noch Unterstützung von ihren Kindern, aber bald würden diese wegen eines Studiums ausziehen und ihre eigenen Wege gehen.

Karin L. muss sich noch sehr mit ihrer neuen Situation als rollstuhlfahrende Frau auseinandersetzen. Dieses anzunehmen um für sich auch Positives herauszuziehen, das sind sicherlich die Herausforderungen, die in nächster Zeit anstehen. Sie weiß jetzt, dass sie dabei nicht allein ist. Sie hat sich Unterstützung gesucht und Menschen kennen gelernt, die ihr auf ihrem persönlichen Weg helfen können.

Wenn Sie oder einer Ihrer Angehörigen oder Bekannten ebenfalls durch Krankheit, Unfall oder chronische Erkrankung mit einer Behinderung konfrontiert werden, scheuen Sie sich nicht Hilfe anzunehmen. Unsere BeraterInnen sind in einem ähnlichen Alter wie Sie und befinden sich in einer ähnlichen Lebenssituation???

Ein Anruf genügt, zeitnah wird Ihnen ein Gesprächstermin angeboten:

030 / 44 05 44 24/25

Kontakt können Sie auch per Email über beratung@bzsl.de aufnehmen.